Nun ist es schon wieder vorbei, sowohl das Jahr (zumindest fast), als auch Hamms größter Bandwettbewerb.
Das Ergebnis:
1. Platz: Mission to Mars
2. Platz: Delirious
3. Platz: oracL
Wie immer Samstag Abends, wie immer mit 8 Bands, die vorab durch ihre Bewerbung zu den Finalisten des Wettbewerbs wurden. Allerdings blieb in diesem Jahr nicht alles beim Alten, es war ein besonderer Abend, vor allem für die teilnehmenden Bands. Es war nicht nur das Jubiläumsjahr von HBB, es gab auch weitere Neuerungen, wie das erhöhte Preisgeld und erstmalig ein Honorar für alle Bands. Wie schon im letzten Jahr fand der Wettbewerb in der Maxi-Arena statt. Neben unglaublich abwechslungsreichen Bands und den unterschiedlichsten Genres, gab es kreative Bühnenshows zu sehen.
Aber nun zu den einzelnen Bands:
Anothermind
Ihre Musik beschreiben sie selber als Punk mit rockigen Einflüssen, als ernste Passagen gepaart mit guter Laune. Diesem Motto blieben sie am Samstag Abend auf jeden Fall treu. Die ausgeloste Startposition war zwar sicherlich nicht ihre erste Wahl, allerdings eröffneten sie den Abend mit Elan und hatten natürlich ihre Fans mitgebracht. Die Frisuren waren einheitlich, vor dem Auftritt hatten alle drei gemeinsam in die Steckdose gefasst. Ein weiterer Knaller waren die Luftballons, mit denen sich nach kurzer Zeit das Publikum vergnügte. Auch die Sticker mit dem neuen Logo, welche die drei Jungs in die Menge warfen, waren irgendwann in der ganzen Halle zu finden. Neben ein paar relativ neuen Songs gab es nicht viel, was den Auftritt musikalisch besonders machte. Auch die Performance war man von anderen Konzerten der Band gewöhnt. Nicht schlecht, aber einfach wie immer.
Violet
Wohl die instrumental abwechslungsreichste Band des Abends waren Violet, die einen interessanten Mix aus Hippie, Gothic und Mittelalter spielten. So sah man auf der Bühne zum Beispiel E-Bass und -Chello, eine Drehleiher und einen Dudelsack. Für eine Band aus Hamm ein ganz schönes Repertior! Leider blieb die Halle relativ leer, was aber die Stimmung der Band nicht trübte. Die einzige weibliche Stimme des Abends sang mit viel Elan die ausschließlich neuen Lieder der Band und zu jedem Song gab es eine kleine Geschichte. Es war auf jeden Fall eine angenehme Überraschung, zumal man solche Musik in Hamm sonst eher nicht findet.
oracL
Ich kann nicht beschreiben, was oracL wirklich ist, aber es ist definitiv nicht nur Musik. Es ist mehr. Theater, Musik und Kunst auf der Bühne von HBB vereint!
Ich bräuchte Seiten, um die Show in Grundzügen zu beschreiben. Aber eins ist sicher: Es war auf jeden Fall sehenswert! Das Publikum erkannte dieses Potential auch und man konnte recht viele Leute vor der Bühne erkennen, wobei auch vereinzelte Gruppen unübersehbar tanzten und pogten. Der psychedelische Metalsound gepaart mit dem sehr emotionalen und ekstatischen Gesang und der Bühnenschow verlieh diesem Auftritt etwas geradezu episches. Der Sänger -übrigens mit einem schwarzen langen Rock bekleidet, zudem zu Anfang noch mit Gehstock und Sonnenbrille- hatte für jeden Part des Auftrittes ein komplettes Konzept vorbereitet. So brachen zum Beispiel Vögel in Form von Styroporschwalben aus einem Käfig aus. Diese warf er dann ins Publikum und auch noch bis zum Ende des Konzertes sausten sie hin und her. Zwischendurch wurde es auch ein wenig destruktiv: Mit aller Gewalt zerstörte er einen Blumenstrauß am Monitor. Man hatte manchmal fast den Eindruck, dass er ein eingesperrtes wildes Tier wäre. Zudem saß er zeitweise einfach mit einer Tüte über dem Kopf auf einem Stuhl, während eine Bauchtänzerin über die Bühne fegte. Ein besonderer Part war auch, dass er am Ende mit einem Holzstock eine Akustik-Gitarre spielte, was sich echt gut und sauber anhörte.
Wenn man es mal zusammenfasst, muss ich wirklich zugeben, dass diese Performance mich einfach umgehauen hat und ich glaube bei vielen im Publikum das gleiche erkannt zu haben.
Curklin
Wie beschreibt man Curklin in einem Wort? Unmöglich. Die vier, die Musik als Sex bezeichnen und von sich selber behaupten gut im Bett zu sein, haben das gestern definitiv bewiesen. Was die Show auszeichnete waren vor allem die unterschiedlichen Videos zu den Songs. Eine Mischung aus psychedelischem Wirrwarr und unglaublichen Überblendungseffekten und Übergängen. Kindervideos gemischt mit Bildern und Comics, Farben über Farben. Teilweise konnte man Gruppen im Publikum erkennen, die einfach nur an die Leinwand starrten. Perfekt passend zu Musik und Performance. Anfänglich gab es zwar Schwierigkeiten mit der Technik, allerdings gaben die Jungs von vornherein Vollgas, dies übertrug sich natürlich auch auf das tanzende Publikum. Den Spaß am Spielen konnte man ihnen ansehen. Kick Ass Space Rock: Tanzbar war die Musik nämlich auf jeden Fall.
Deafening Silence
„Jetzt lasst uns diese Bude zum Kochen bringen!" ließ Benjamin Lassak, der Frontmann der Metalcore-Band Deafening Silence, verlauten. Das düstere Intro verriet schon, worauf sich das Publikum gefasst machen soll. Metalcore der Extraklasse boten die vier Hammer auf der Bühne. Die Songs sprühten nur so von Energie, die allerdings nicht so richtig beim Publikum ankam. "Von der Intensität her waren sie nicht so Überzeugend wie AllMyDays" erklärte ein Zuschauer. Gemosht wurde natürlich trotzdem, und das nicht zu wenig. Mit dem Satz „Ausrasten, aber aufpassen“, rief der Sänger zum Circlepit auf. Lange Haare flogen zwischen Solis und Gesang. Die Menge hatte die Band auf ihrer Seite, so erhielten sie nach Mission to Mars die meisten Publikumsstimmen. Alles in Allem war der Auftritt sehr gelungen, doch war man die Performance schon von anderen Konzerten gewohnt.
AllMyDays
Diese Band lieferte auf jeden Fall eine geballte Ladung Rock. Melodische Passagen und harte Rock-Riffs fanden hier ebenso Platz, wie einige Fans auf der Bühne! Zu mehreren Songs luden AllMyDays ihre Fans ein, das Konzert doch einmal aus ihrer Sicht zu betrachten, auf der Bühne mitzufeiern und abzurocken. Doch nicht nur die Fans sorgten für Bewegung; auch die Band ging gut ab. Leider schien der Funken nicht so ganz auf das Publikum vor der Bühne überzuspringen. Zeitweise konnte man ein wenig Bewegung vor der Bühne erkennen, aber so richtig abgehen wollte die Menge nicht. Schade, denn AllMyDays hätten es verdient.
Mission to Mars
Die Gewinner des Abends. Die Band, die sowohl die meisten Publikumsstimmen, als auch die meisten Jurypunkte erhielt. Mission to Mars überzeugte die Menge mit einer tanzbaren Mischung ihrer Songs. Schon zuvor hatte sich die dreiköpfige Band bei HBB beworben und war ins Finale gekommen, doch zum ersten Mal erreichten sie den Titel. Sauberer Pop Rock, Abwechslung zwischen ruhigen und schnelleren Songs, eins hatten jedoch alle gemeinsam: den Ohrwurm-Charakter. Die eingängigen Melodien schienen zum mittanzen aufzufordern, denn relativ schnell füllte sich der Platz vor der Bühne. Wer die Band noch aus ihren Anfangszeiten um 2005/2006 kennt, weiß, dass sich einiges getan hat. Zwar ist die Besetzung seitdem gleich, jedoch sagt auch die Band von sich selber, dass sie sich „neu erfunden“ habe. Vielleicht war das das Geheimnis zum Sieg beim diesjährigen Wettbewerb. Herzlichen Glückwunsch!
Delirious
Zum Schluss heizten Delirious dem Publikum noch mal richtig ein - Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit der einzigen pyrotechnischen Show des Abends überzeugten die Thrash Metaller auch die Jury und sicherten sich so den zweiten Platz. Musikalisch hatten die Jungs einiges zu bieten: Thrash Metal pur, gepaart mit melodischen Einflüssen boten dem Publikum abwechslungsreiche 35 Minuten.
Ohne Zwischenfall verlief der Auftritt aber leider nicht. Ein Blitz, ein schmerzverzerrtes Gesicht und Bettys Haare waren verbrannt. Der Sänger der Band stand im falschen Moment zu nah am Schlagzeug, wo einige Knaller befestigt waren. Doch als wäre nichts gewesen, spielten die Fünf weiter und ernteten Applaus und "Zugabe!"-Rufe.
Unser Fazit:
Alles in allem ein gelungener Abend. Der Umzug in die Maxi-Arena verbesserte natürlich die in der Bullenhalle jährlich bemängelte Akustik, allerdings veränderte es die Stimmung beim Wettbewerb ein wenig. Die Atmosphäre ist einfach nicht mehr die gleiche, aus dem lokal-Konzert mit Wiedererkennungs-Charakter wurde nun eher eine „Edel-Party“. Die Beleuchtung zog die Aufmerksamkeit zu sehr von der Bühne weg und die Gänge sorgten dafür, dass das Publikum eher in Grüppchen zu finden war, als vor der Bühne tanzend. Ein anderer Punkt ist die Bühne, vor der man nun einen breiten, weitläufigen Platz hat, der sich einfach nie richtig zu füllen schien. Schade war auch die Menge der Besucher, mit rund 1100 wirkte die Halle zu leer, Bands und Veranstalter hätten mehr verdient. Nun bleibt die Frage offen: Wo geht ihr hin, wenn nicht zu HBB? Wer nicht da war, hat auf jeden Fall einige Highlights am Samstag Abend verpasst!
Und noch etwas: Wer geht zu einem Rockkonzert und setzt sich den ganzen Abend auf die Tribüne um zu quatschen? Bei so viel tanzbarer und abwechslungsreicher Musik ist das einfach unverständlich. Großes Lob geht allerdings an die Veranstalter und die Bands, danke für den schönen Abend.
Wir freuen uns aufs nächste Jahr!
Pedda, Lea und Dominik


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